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Erfahrungsbericht Mongolei, Sommer 2009
Geschrieben am 24. November 2009 Keine KommentareHallo, mein Name ist Julia und ich studiere in Freiburg Molekulare Medizin im 7. Semester. Ich habe ein Praktikum in der Mongolei an der dortigen medizinischen Hochschule gemacht.
Ich wollte dieses Praktikum im Rahmen meines Studiums absolvieren, aber schon im Vorfeld war es zweifelhaft, ob eine richtige Laborarbeit möglich sein würde. Auch war die Verständigung mit dem dortigen IAESTE-Komitee und dem Professor mangelhaft, so schrieb er mir drei Wochen vor geplanten und gebuchten Abflug, dass im ersten Monat leider alle im Urlaub wären und er mich darum nicht empfangen könnte. Man sollte doch annehmen, dass der, der die Stelle ausschreibt, so etwas weiß! Die Mongolen sind zwar planlos, dafür recht kreativ in letzter Minute, wodurch ich den ersten Monat in einem Labor einer Mine untergebracht wurde. Dort angekommen waren leider in diesem Labor- wer hätte es gedacht- alle im Urlaub, sprich, in diesem Monat habe ich zwar eine Mine besichtigen dürfen, aber gearbeitet oder gelernt habe ich nichts. Es war trotzdem eine sehr interessante Zeit, da das dortige IAESTE-Komitee sehr hilfsbereit war und zahlreiche Ausflüge aufs Land geplant hat, wodurch ich die Kultur hautnah erleben konnte. Auch einen Alltag in einem asiatischen Land aufzubauen ist sehr spannend, so muss man sich mit kaltem Wasser abfinden und darf dankbar sein, dass es überhaupt läuft. Die deutsche Pünktlichkeit und strikte Organisation ist dort mit umgekehrten Vorzeichen anzutreffen, bewundernswert ist aber, dass egal welche Probleme ich hatte, sie in Windeseile kreativ eine Lösung fanden.
Im zweiten Monat war ich dann tatsächlich an besagter Universität unterwegs und habe jede Woche ein neues Labor besuchen dürfen. Das war spannend, weil ich sehr viele Leute kennen gelernt habe und gesehen habe, wie unterschiedliche Geldgeber die Ausstattung in gravierendem Maße beeinflussen. Leider sind die Labore dort nur Diagnoselabors und Forschung besteht größtenteils aus epidemiologischen Studien. Trotzdem war es sehr bereichernd diese Labore kennen lernen zu dürfen und ein Land mit anderem Entwicklungsstand zu erleben.
Das IAESTE-Komitee war aber in Ulaanbaatar nicht aktiv, sodass wir alles durch Eigeninitiative organisieren mussten. Das war aber darum akzeptabel, da zu dem Zeitpunkt auch noch einige andere IAESTE-Studenten dort waren. Dementsprechend hatten wir eine erlebnisreiche und lustige Zeit.
Eine Anekdote: Warum ist mein Urlaub eigentlich so günstig?
6 Tage später, 12 Reifenpannen später und nach recht eintönigem Essen leuchtet mir ein, warum der Trip an den Khövsgölsee nur 150 Euro kostet. In dieser Kalkulation sind neue Reifen (a 50 Euro) einfach nicht drin. So habe ich unter anderem gelernt: Man kann einen Autoreifen auch von Hand aufpumpen, sogar unzählige Male flicken sind kein Problem. In freier Natur, keine Menschenseele weit und breit, dauert das locker mal 2 h. Um drei Uhr nachts ist die Wahrscheinlichkeit gegen null, dass jemand vorbeikommt/ am Tag kommen pro Stunde im Schnitt 2 Autos vorbei. Deutlich weniger als Kühe, Yaks, Ziegen, Schafe und Pferde….davon gibt es unzählige! Aber zurück zu den Reifen- natürlich gibt es einen Ersatzreifen, da dieser aber schon den anderen Platten ersetzt, heißt es flicken…In der Mongolei kann man schon froh sein mit 40 km/h über die Feldwege zu juckeln/ wenn man den richtigen Weg findet, kommt man auch so ans Ziel. Wenn….. Außerdem habe ich gelernt, ein Plumpsklo zu schätzen- es hat durchaus was für sich, wenn man vier Wände um sich hat, die einen vor den Augen der Mitreisenden schützen. Denn es konnte durchaus passieren, dass wir halbe Ewigkeiten in endloser Weite unterwegs waren, ohne Baum oder nennenswertem Hügel in greifbarer Nähe. Aber die Blase ist ja durchaus trainierbar:)…..
Also egal wie es ausgeht, das Praktikum ist eine super Gelegenheit raus aus Deutschland zu kommen und fremde Kulturen zu entdecken!


